Sag «Nein» zu Überstunden: Mehr Zeit für die Familie

Woche für Woche werden eine Vielzahl an Überstunden geleistet. Wie viele Stunden unter der Woche tatsächlich gearbeitet und Überstunden gemacht werden darf, ist jeweils im Arbeitsvertrag vereinbart. Dass die vereinbarten Arbeitszeiten überschritten werden und unter welchen Vorrausetzungen das erlaubt oder erwünscht ist, ist von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich.

Wird die Arbeitszeiten, die im (NAV) Normalarbeitsvertrag oder beim (GAV) Gesamtarbeitsvertrag festgelegt ist, überschritten, handelt es sich um Überstunden. Abhängig davon, ob der oder die Arbeitnehmende im «Vollbeschäftigungsgrad» oder «Teilzeitbeschäftigungsgrad» angestellt ist, sind die Arbeitszeiten klar geregelt, das heisst, wann und wieviel gearbeitet wird.

Die Überstunden werden in der Praxis nur dann vergütet, wenn diese die betriebsüblichen Arbeitszeiten überschreitet. Die Überstunden können ausbezahlt oder als freie Tage gutgeschrieben werden. Grundsätzlich muss eine Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer nur die gemäss Arbeitsvertrag vereinbarte Arbeitszeit leisten. Es gibt jedoch Ausnahmen: Arbeitnehmende können verpflichtet werden, Überstunden zu leisten, wenn gewisse Voraussetzungen gemäss Art. 321c Abs. 1 OR erfüllt sind.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Überstunden verpflichtend sind?

Die folgende Auflistung zeigt, wann es notwendig ist, für das Unternehmen Überstunden zu leisten.

  • Überstunden können notwendig sein, wenn es Gründe gibt, die dazu veranlassen, mehr zu arbeiten, zum Beispiel wenn ausserordentlich viel Arbeit oder Aufträge erledigt werden müssen, die eine hohe Dringlichkeit aufweisen und terminlich nicht aufgeschoben werden können.
  • Überstunden müssen zumutbar sein. Das heisst, dem Arbeitnehmer, der Arbeitnehmerin kann zugemutet werden, die zu diesem Zeitpunkt noch anstehenden Aufgaben zu erledigen.
  • Auch bei Überstunden gelten die Arbeitsgesetze (ArG) und müssen eingehalten werden.
  • Arbeits- und Ruhezeiten sind insbesondere bei Überstunden für Arbeitnehmende gleichermassen geltend und sind sowohl für Personen, die in Vollzeit, als auch für diejenigen, die in Teilzeit angestellt sind, zu beachten.

Wann müssen die Überstunden ausbezahlt werden?

Der Arbeitgeber muss die Überstunden der Arbeitsnehmenden dann ausbezahlen, wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind:

  • Wenn die Überstunden vom Arbeitgeber ausdrücklich angeordnet werden. Dabei ist es nicht relevant, ob diese tatsächlich dringlich und notwendig sind.
  • Wenn die zu leistenden Überstunden nicht ausdrücklich vom Arbeitgeber angewiesen sind, jedoch vom Arbeitnehmer als notwendig und dringend eingestuft werden, weil eine Deadline einzuhalten ist. Allerdings sind die Mitarbeitenden dazu verpflichtet, den Arbeitgeber darüber zu informieren.
  • Der oder die Arbeitnehmende muss die Überstunden leisten, die vom Arbeitgeber verordnet sind.

Wann gilt kein Anspruch auf Ausbezahlung?

  • Wenn eine schriftliche Vereinbarung zwischen den Vertragsparteien, dem Arbeitnehmer und Arbeitgeber getroffen wurde, welche die Abgeltung der Überstunden ausschliesst.
  • Wenn die Abgeltung gemäss NAV oder GAV eine Auszahlung ausschliesst.

Bei Arbeitnehmenden, die in einer Kaderposition angestellt sind, werden meist vertragliche Vereinbarungen getroffen, welche die Abgeltung von Überstunden ausschliessen. Die Arbeitszeiten von Führungskräften sind aufgrund der höheren Position nicht immer exakt auf eine bestimmte Anzahl Stunden pro Woche begrenzt, wie dies bei Arbeitnehmenden ohne Führungsposition der Fall ist. Zumal die Mehrleistung, die Führungskräfte erbringen, bereits mit den höheren Salären und Spesen abgegolten ist.

Ein Leben für den Job? «Ich arbeite, also bin ich.»

Du hast keine Zeit für das Privatleben, denn die Arbeit hat Vorrang? Dein Leben ist die Arbeit. Was soll Privatleben sein? Wer diesen Lebensstyle lebt, ist ein klassischer Workaholic; jemand, dersein Leben ausschliesslich auf die Arbeit ausrichtet, sich nur auf die Arbeit fokussiert. Das dies nicht gesund sein kann, wissen wir bereits seit geraumer Zeit.

Im besten Fall ist die ausgeübte Arbeit eine sinnvolle und im Idealfall bereitet die Arbeit am Projekt oder an der Aufgabe Spass. Sie liegt einem am Herzen und macht Freude. Dann ist es vollkommen in Ordnung, dass dieses Projekt oder die Aufgabe, die wichtig und dringend oder zu einer vereinbarten Deadline erledigt sein muss, erfolgreich abzuschliessen und zu Ende zu bringen, auch wann man dadurch etwas länger am Arbeitsplatz verweilt.

Doch wenn man anfängt, damit zu prahlen, dass man stets nur am Arbeiten ist und keine anderen Gesprächsthemen mehr hat ausser der Arbeit, dann ist es an der Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, ob das noch normal und gesund sein kann. Denn der Mensch kann nicht nur am Arbeiten sein und ist keine Maschine, die 24 Std. im Arbeitsmodus läuft. Wird dies jedoch so gehandhabt, so wird der Mensch mit der Zeit psychisch krank und kann ein Burnout entwickeln. Und was passiert, wenn ein Arbeitnehmer in dieser Situation steckt? Er wird krank, die Arbeit übernimmt jemand anderes.

Jeder ist ersetzbar, auch wenn viele davon überzeugt sind, dass sie es nicht sind. Selbst dann noch, wenn die Kündigung ins Haus flattert. Das Unternehmen findet meist innert weniger Tage einen neuen Mitarbeiter, der die bisherigen Aufträge abschliesst. Es lohnt sich nicht, sich kaputt zu krampfen.

Natürlich gibt es auch die, die sich davor fürchten, die Stelle zu verlieren, wenn sie nicht stets am Arbeitsplatz sind. Es ist alles andere als empfehlenswert, die Mitarbeitenden dazu zu drängen, sich kaputt zu schuften und einen 12-Stunden-Tag abzurackern. Ein Arbeitgeber, der die Mitarbeitenden wie eine Zitrone auspresst und das Durchhaltevermögen zum obersten Gebot macht, erreicht nur ein Ziel und das Resultat wird immer dasselbe sein. Dass die Mitarbeitenden zwar physisch am Arbeitsplatz anwesend sind, nicht aber die volle Leistung erbringen können, die tatsächlich gefordert wird.

Mehr Zeit für die Familie

Ab und an einige Überstunden zu schieben, ist völlig OK. Doch es sollte nicht als normal angesehen werden, ständig für das Unternehmen erreichbar zu sein und viele Überstunden zu machen.

Darunter kann nicht nur die Psyche leiden, auch die Familie kann davon betroffen sein. Nehmt euch mehr Zeit für die eigene Familie, für die Liebsten und plant Zeit für eure Hobbys und Freunde ein. Es sollte sich nicht immer alles nur um die Arbeit drehen.

Das grösste Gut sind die Familie, Kollegen und Freunde. Unternehmt mit der Familie Ausflüge, geht auf Reisen oder geniesst einfach das Leben. Vielleicht im Garten am Grill? Lebt die Devise: Family First.

Sollte es doch eine Phase geben, in der es gerade enorm viel zu tun gibt, gebt gut auf euch acht und überarbeitet euch nicht. Es wird sich niemand bei euch dafür bedanken, wenn ihr dadurch krank werdet.

Bis zum nächsten Mal

Euer Raphael

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