Die Ausbildung abbrechen und neu beginnen – worauf geachtet werden muss

Die aktuelle Ausbildung abzubrechen, darüber hast du dir schon bereits längere Zeit Gedanken gemacht und es schwirrt dir immer wieder im Kopf herum. Doch bevor du vorschnell und überstürzt drauflos entscheidest, solltest du zunächst nochmals die Gedanken gut sortieren und dir überlegen, ob es eine kluge Idee ist, die Ausbildung jetzt abzubrechen.

Es gibt viele Gründe, weshalb eine Ausbildung scheitern kann. Doch die Ausbildung abzubrechen, ist stets die allerletzte Option, die gewählt werden sollte. Es sei denn, eine alternative Option für eine andere Lehrstelle steht bereits in den Startlöchern und kann sehr bald begonnen werden, oder man hat die Möglichkeit, die Ausbildung in einem anderen Betrieb fortzusetzen.

Wer die Ausbildung einfach so aus heiterem Himmel abbricht, hat später das Nachsehen, denn das macht im Lebenslauf einen äusserst schlechten Eindruck. Es vermittelt den späteren Arbeitgebern oder Ausbildungsstätten, dass der Arbeitsuchende zu wenig Ehrgeiz hat oder sich nicht genug anstrengt.

Doch das ist nicht immer der Fall. Es kann auch an anderen Dingen liegen, weshalb die Ausbildung unterbrochen oder abgebrochen wurde. Es kann durchaus vorkommen, dass die erste Berufswahl, die getroffen wurde, einfach nicht die richtige war oder der Betrieb Konkurs ging. Und es gibt viele weitere Gründe, warum man sich gezwungen sehen kann, eine Ausbildung abzubrechen.

Mögliche Gründe für den Abbruch einer Ausbildung

  • Vor Beginn der Ausbildung bereits innerlich NEIN zum Beruf zu sagen kann dazu führen, dass sie bereits in der Anfangsphase abgebrochen wird (z.B. während der Probezeit oder bereits vor Beginn der Ausbildung)
  • Unglücklich mit der Wahl der Ausbildung zu sein, weil es nicht der Wunschberuf ist
  • Wenn der Wunsch immer grösser wird, einen neuen Weg einzuschlagen und eine andere Ausbildung zu beginnen
  • Der aktuelle Betrieb ist eher schlecht als recht. Das Arbeitsklima ist nicht gut und der Betrieb bietet nicht das, was versprochen wurde
  • Der Betrieb ist in finanziellen Nöten und muss daher den Stecker ziehen und Konkurs anmelden
  • Abbruch der Ausbildung aus gesundheitlichen Gründen

Ausbildung abgebrochen während der Probezeit

In der Probezeit ist es kein grosses Problem, die frisch angetretene Ausbildung abzubrechen. Es gibt keine Fristen und auch die Begründungen müssen nicht zwingend erwähnt werden. Was aber sein muss, sind formelle Schreiben, die den Ausbildungsvertrag auflösen und den Arbeitgeber informieren. Auch die Berufsschule ist umgehend zu informieren. Danach kann man den Heimweg antreten und das Thema ist erledigt.

Nach der Probezeit sieht es anders aus

Nach der Probezeit zu kündigen ist heikler, denn nun sieht es schon wesentlich anders aus. Die Kündigung ist nach der Probezeit gesetzlich geregelt und es gilt die gesetzliche Kündigungsfrist gemäss OR Art. 337 – Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Denn ein Ausbildungsvertrag stellt ein befristetes Arbeitsverhältnis dar. Der Lehrvertrag kann jedoch jederzeit vorzeitig und fristlos gekündigt werden, wenn ein triftiger Grund vorliegt.

Wer kündigen will, muss die Kündigungsfristen einhalten, egal, ob dies beim Abbruch einer Ausbildung erfolgt, bei einer Vollzeit- oder Teilzeitstelle oder wenn man im Stundenlohn angestellt ist. Es muss ein Kündigungsschreiben verfasst und dem Arbeitgeber offiziell übergeben werden, wenn dies vom Arbeitgeber verlangt wird.

Kündigung in der Ausbildungszeit

Mögliche Gründe für eine Vertragsauflösung können unter anderem folgende sein:

  • Sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz
  • Diebstahl am Arbeitsplatz oder Straftaten, die begangen wurden
  • Drohungen und Beleidigungen am Arbeitsplatz
  • Mobbing am Arbeitsplatz
  • Die Ausbildung schadet der Gesundheit des Lehrlings
  • Wenn die Aufgaben nichts mit der Lehre- und Ausbildung zu tun haben, z.B. private Erledigungen für den Chef. In diesem Fall spricht man auch von ausbildungsfremden Aufgaben
  • Offenlegung von Betriebsgeheimnissen
  • Pflichtverletzungen
  • Wenn die Berufsschule trotz Abmahnung vernachlässigt wird

Eine fristlose Kündigung kann nur erfolgen, wenn triftige Gründe vorliegen wie beispielsweise etwa bei Gewalt oder sexueller Belästigung. Eine Ausbildung abzubrechen, ohne dass eine neue in Aussicht ist, sollte nur im äussersten Notfall erfolgen. Besser ist es, dies erst dann zu tun, wenn tatsächlich ein neuer Ausbildungsplatz in Sichtweite und in trockenen Tüchern ist. Sonst ist die Gefahr gross, dass man ohne Perspektiven auf der Strasse sitzt. Als Abbrecher einen neuen Ausbildungsplatz zu finden, wird extrem schwierig.

Eine neue Lehrstelle bringt neue Herausforderungen

Nachdem die Ausbildung abgebrochen wurde, ist es wichtig, sich auf ein neues Ziel zu fokussieren. So wird sich der Lehrstellensuchende erneut auf die Suche nach einer geeignete Lehrstellenplatz machen. Doch nun muss man sich bewusst und im Klaren sein, dass sich die Suche nach einer geeigneten Lehrstelle fortan erschwerter darstellt als für diejenigen, die gerade frisch nach einem Ausbildungsplatz suchen.

Bei der Bewerbung sollte unbedingt begründet werden, weshalb die Ausbildung abgebrochen wurde. Beschreibt beispielsweise im Bewerbungsschreiben, dass die neue Ausbildung als Umorientierung anzusehen ist. Fehlentscheidungen kann jeder treffen und aus Fehlern lernt man. Dem Arbeitgeber muss glaubhaft vermittelt werden, dass du wirklich gewillt bist, der Arbeit, die gefordert wird, auch nachzugehen. Ausserdem muss rüberkommen, dass du wissbegierig und gewillt bist, Neues zu erlernen. Auch dass du tatkräftig mitmachst und die Ausbildung im neuen Betrieb auch zu Ende führen willst. Dann sind die Chancen gegeben, dass du diesen neuen Ausbildungsplatz bekommst und dort die Lehre absolvieren kannst. Wenn man am Ball bleibt.

Sind die Gründe gesundheitlicher Natur, so sollte es kein Problem sein, solange es bei der neuen Ausbildung, die angetreten werden soll, keine Faktoren gibt, die einen negativen Einfluss auf die Gesundheit haben. Auch dies sollte im Bewerbungsschreiben erklärt und gut begründet werden.

Eine dritte Chance zu erhalten, ist fast ausgeschlossen. Daher ist es wichtig durchzuhalten und es diesmal bis zum Schluss durchzuziehen. Es ist immer besser, eine Lehre abgeschlossen zu haben als ungelernt zu sein und keinen Abschluss in der Tasche zu haben. Auch wenn es nicht der Traumberuf ist. Denn mit einer abgeschlossenen Lehre hast du eine gute Basis, dich nach der Ausbildung neu zu orientieren, dich umzuschulen oder weiterzubilden.

Ich wünsche allen, die gerade auf Lehrstellensuche sind, dass sie ihre Traumausbildung finden und durchstarten können.

Raphael

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