Arbeiten im Stundenlohn und auf Abruf – Lasst euch nicht alles gefallen

Arbeiten auf Abruf und im Stundenlohn angestellt zu sein nimmt zu. Häufig sind es Teilzeitangestellte, die zu solchen Arbeitsbedingungen angestellt sind, und oft sind diese Arbeitnehmer benachteiligt. Es ist für Arbeitende, die auf Stundenlohn oder auf Abruf angestellt sind, nicht immer einfach. Es ist wichtig, dass klare Arbeitsverträge gemacht werden, in denen die Arbeitsleistung genau definiert wird. So ist der Arbeitnehmer abgesichert. Daher stets darauf achten was in den Arbeitsverträgen steht. Am besten zwei bis drei Mal durchlesen und erst dann, wenn alles verständlich und korrekt ist, den Arbeitsvertrag unterschreiben.

Wer mündlich statt schriftlich eine Vereinbarung getroffen hat, wird in den allermeisten Fällen bei Streitigkeiten kaum gute Karten in der Hand halten. Es wird schwierig die Vereinbarungen vor dem Arbeitsgericht nachzuweisen. Es ist daher besser alles schriftlich auf dem Tisch zu haben, damit der Arbeitnehmer vor möglichem Missbrauch abgesichert ist.

Was bedeutet Arbeit auf Abruf?

Wer in einem solchen Arbeitsverhältnis arbeitet, ob Aushilfskraft oder Angestellter, muss eines wissen: Flexibilität kommt an erster Stelle. Es wird nur gearbeitet, wenn Arbeit vorhanden ist, und das zu unregelmässigen Zeiten, darum «auf Abruf». Solche Beschäftigungsformen werden als Teilzeitbeschäftigung bezeichnet. Diese unterliegt dem normalen Schweizer Arbeitsrecht, wenn auch nicht eindeutig und verständlich definiert.

Bei Arbeitgebern, die ihre Mitarbeiter auf Bereitschaftsdienst «Arbeit auf Abruf» eingestellt haben, müssen die Arbeitnehmenden nicht am Arbeitsplatz präsent sein. Dafür sind die Mitarbeiter jederzeit einsetzbar «wann und wo es gerade was zu tun gibt, und es dem Arbeitgeber passt.» Das bedeutet für den Arbeitnehmer, er muss immer erreichbar sein, um den Einsatz wahrzunehmen. In dieser Anstellungsform gibt es keine fest geregelten Arbeitszeiten. Doch die vereinbarten Wochenstunden müssen deutlich im Arbeitsvertrag hinterlegt sein, und vom Arbeitgeber 14 Tage vor den Arbeitseinsätzen den Mitarbeitern bekannt gegeben werden.

Bei der Beschäftigungsmethode Abrufarbeit profitiert im Grossen und Ganzen hauptsächlich der Arbeitgeber, weil vieles den Bedürfnissen nach ihm ausgerichtet und angepasst ist. Weil der «Chef des Betriebs» definiert, wo und wie lange der Arbeitseinsatz dauert, können die Kosten auf ein Minimum gesenkt und deutlich mehr Einnahmen generiert werden. In der Praxis bedeutet das für die Arbeitnehmer, dass sie nur dann Geld verdienen, wenn sie zu einem Einsatz gerufen werden. Der Lohn wird erst ausbezahlt, wenn die Stunden geleistet wurden. Dies hat für den Arbeitnehmer den Nachteil eines unregelmässigen und schwankenden Einkommens, was sich wiederum schwierig auf die Freizeitgestaltung auswirken kann.

Arbeit auf Abruf, worauf zu achten gilt

Natürlich bestehen für Teilzeitangestellte Rechte, wenn sie im Stundenlohn und auf Abruf verfügbar sind. Kurzfristige Arbeitseinsätze und Aufgebote sind so nicht einfach möglich. Die Arbeitgeber sind verpflichtet, stets Arbeitspläne für die nächsten 14 Tagen den Mitarbeiter bekannt zu geben. Kurzfristige Arbeitseinsätze sind zwar möglich, doch diese müssen dementsprechend auch entschädigt, und mit den jeweiligen Mitarbeitern das Einverständnis in schriftlicher Form vereinbart werden. Das heisst, zu welchen Zeiten und ob die jeweiligen Angestellte uneingeschränkt frei zur Verfügung stehen.

Dies gilt auch für sogenannte «Springer», die zu sehr kurzfristigen Arbeitseinsätzen eingesetzt werden.

Was tun, wenn abrupt das Pensum reduziert wird?

Der Einsatzplan steht und das Pensum ist eindeutig geregelt, der Arbeitnehmer hat unter der Woche ein Pensum von 60%. Doch nun wird das Pensum kurzfristig reduziert. Ist das zulässig? Die Arbeitszeiten und die Stunden, die unter der Woche geleistet werden, sind vertraglich geregelt. Will der Arbeitgeber nun eine Reduzierung des Pensums, kann er das nicht einfach ohne weiteres tun.

Langer Arbeitsweg, muss ich den Arbeitseinsatz annehmen?

Der Arbeitsweg ist lang, und es lohnt sich kaum zum Einsatzort zu gehen, muss man dann trotzdem hin? Ja. Man ist verpflichtet der Aufforderung nachzugehen und den Einsatz annehmen. Es empfiehlt sich mit dem verantwortlichen Einsatzplaner oder mit dem Arbeitgeber ein Gespräch zu führen. Es wäre auch ratsam, schriftlich in einer Vereinbarung bezüglich der Mindestdauer von Arbeits- und Aushilfseinsätzen zu definieren, wie lange die Einsätze dauern sollen.

Kann ein Chef einem nachhause schicken?

Wenn der Arbeitnehmer gemäss Arbeitseinsatz am Einsatzort präsent ist und kurzfristig nach Hause geschickt wird, muss er dies so hinnehmen und akzeptieren? Die Antwort ist einfach: «Nein. Muss er nicht.» Der Arbeitgeber kann zwar den Mitarbeiter vom Einsatzort abziehen, jedoch für die eingeplante Arbeitszeit den Lohn auszahlen. Unfreiwillige Minus-Stunden die daraus entstehen, muss der Arbeitnehmer nicht zu einem späteren Zeitraum nachholen.  Zum Schutz des Arbeitnehmers gelten in der Schweiz die Arbeitsrechte und Arbeitsgesetze, die jeder Arbeitgeber einhalten muss. Er kann nicht willkürlich tun und lassen was er möchte.

Arbeit auf Abruf: Das sollte vertraglich vereinbart werden
  • Alles schriftlich festhalten: Zu welchen Arbeitszeiten und Wochentagen die Arbeitseinsätze eingeplant sind und der Arbeitnehmer zur Verfügung stehen muss.
  • Die Arbeitszeiten pro Woche, Monat oder wenn möglich, für ein ganzes Jahr schriftlich vereinbaren.
  • Werden die Mindestarbeitszeiten unterschritten, nehmt dies nicht einfach so hin. Eine schriftliche Regelung in diesem Falle ist sinnvoll. Denn die Mindestarbeitszeiten dürfen nicht ohne weiteres gekürzt werden.
  • Mündliche Abmachungen sollten zu einem späteren Zeitpunkt definitiv schriftlich hinterlegt werden. Sind keine Schriftliche Vereinbarungen getroffen, und das für einen längeren Zeitraum, wird dieses Stillschweigen als Vertragsänderung in Kraft treten. Daher sollte sich der Arbeitnehmer zügig um schriftliche Abmachungen bemühen.
  • Falls der Arbeitgeber mehrere Geschäftszweige betreibt, muss der Mitarbeiter nur für den Aufgabenbereich tätig sein, für den er auch tatsächlich angestellt wurde.
  • Den Einsatzplan sollte jeweils 14 Tage vorher bekannt sein, oder besser noch früher.
  • Darauf achten, dass der Vertag mit oder ohne Abrufverpflichtungs-Klausel ausgestellt ist. Ohne Abrufverpflichtung kann der Arbeitnehmer selbst entscheiden, ob er zum Arbeitseinsatz geht oder nicht. Hingegen bei der Rufbereitschaft «Arbeit auf Abruf» ist dies für den Arbeitnehmer verbindlich und muss den Anweisungen Folge leisten. Dementsprechend wird er auch dafür entschädigt.
  • Die Arbeitszeiten müssen zeitlich eingegrenzt sein. Wie lange ein Einsatz dauert und ab wann der Arbeitnehmer sich bereithält, wenn es dann heisst, ab zum Arbeitseinsatz.

Wer eine Abruf-Anstellung hat sollte sich nicht alles gefallen lassen. Beharrt auf eure Rechte.

Ich hoffe, wir konnten euch mit diesem Ratgeber unterstützen.

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